du.fehlst.mir
Naive

Wärme umgibt mich, hüllt mich vollkommen ein. Mein Körper erwärmt sich, doch meine Seele ist immer noch kalt. Nicht kalt, wie gefühllos. Eher kalt, wie tot. In diesem Augenblick spüre ich nichts. Rein gar nichts. Ich sollte Trauer fühlen, Liebe, Verzweiflung, irgendetwas in dieser Richtung. Doch das einzige, was ich empfinde ist endlose Leere in mir. Zu oft habe ich gelitten. Ich habe geliebt, gehasst, gelacht, geweint. Doch alles, was ich in diesem Moment verspüre ist Gleichgültigkeit. Das glaube ich zumindest...
Ich sinke etwas tiefer in das heiße Wasser, atme den Rosenduft ein, der durch den vielen Schaum aufsteigt. Früher habe ich jedes einzelne Bad genossen, doch heute ist es anders. Heute kann ich mich an so einer schönen Kleinigkeit in meinem Alltag nicht mehr erfreuen. Mein Körper genießt, doch mein Innerstes schert sich nicht mehr darum. Ich habe mich vollkommen abgeschottet, lasse kaum noch Gefühle zu. Zumindest keine, die wieder zerstört werden können, oder die jenigen, die falsch wären.
Ich schließe meine Augen, lege meinen Nacken auf dem Rand der Wanne ab.
Nein, nie wieder falsche Gefühle. Sie verletzen einen nur. Und alles, was übrig bleibt, ist ein kleines weinendes Mädchen. So viele Tränen habe ich vergossen. Aus Dummheit. Jedes Mal habe ich mich selbst gewarnt, kein Kribbeln im Bauch zu bekommen, oder zu tief in die Augen eines für mich verbotenen Mannes zu schauen. Warum gab es nie jemanden, der mich mochte, den ich auch mögen durfte? Warum waren es immer die jenigen, die für mich unerreichbar oder verboten waren, für die ich so viel empfand? Warum immer die falschen Männer?
Ich öffne meine Augen wieder, um der salzigen Flüssigkeit den Weg in die Freiheit zu lassen. Warum kann ich nicht einfach loslassen? Wie gerne würde mich das alles kalt lassen. Wieso kann ich nicht all meine Gefühle in eine Truhe sperren, diese abschließen und in den endlosen Tiefen der Ostsee versenken? Ich versuche doch einfach nur, am Leben zu bleiben. Obwohl ich nicht einmal weiß, ob ich das überhaupt noch bin. Lebt man denn noch, wenn das einzige, was man durchweg spürt, der Schmerz in der Seele ist?
Mein Blick bleibt an einem kleinen, silbern blitzenden Gegenstand hängen. Nur noch einmal... Nur noch ein Einziges Mal frei sein...
Ich greife nach der Klinge, halte sie ehrfürchtig in meinen zitternden Händen. Meine Verbündete. Jedes Mal, wenn ich sie benutzte, fühlte ich mich einen Moment wie frei. Der körperliche Schmerz spülte all den seelischen davon. Nur wenige Minuten ohne Sorgen, doch die waren es mir immer Wert, dafür ein paar Narben davon zu tragen.
Ich strecke meinen linken Arm aus, setze an. Kurz kneife ich die Augen zusammen, doch dann entspanne ich. Langsam färbt sich die Haut an dieser Stelle rot, kurz darauf tropft es Blut, vermischt mit dem Wasser von meinem nassen Arm, hinein in die Wanne. Ich atme tief durch, wiederhole diese Prozedur noch drei-, viermal. Mit einem Schwall fühle ich mich leichter. Fast wie schwebend. Alle Gedanken, Sorgen, Schmerzen, sind für einige Zeit vergessen. Ich weiß, dass es dumm ist, zu glauben, dies wäre eine Lösung. Doch solange ich keine bessere gefunden habe, werde ich wohl immer wieder zu meinem kleinen Ausweg in die Wanne nehmen. Das Wasser färbt sich rot, und wieder einmal wird mir schlagartig bewusst, wie naiv ich mit meinen neunzehn Jahren doch bin.


.du.

Arma- geddon

Traum

Hölle

Absolut

Necro- nihilis- musphilie

.fehlst.

Ana- gramm

Spacig

.mir.


Irra- tional

Eben

Naive

Frozen Heart

.desi by.


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